Im Porträt: Frau Klug vom Calando Pflegedienst

Nadine Klug ist dankbar. Denn ihre Familie ist gesund. Der Job als Pflegekraft bei der Calando Pflegedienst GmbH veränderte auch die Sichtweise auf ihr eigenes Leben.

Wer sich mit Nadine unterhält, der merkt schnell: Sie ist eine fröhliche Person und immer für ein Späßchen zu haben. Aber sie weiß auch ganz genau, wie hart die Arbeit in der Pflege sein kann. Sie erlernte im Uniklinikum Dresden unter anderem in der Orthopädie- und Unfallchirurgie den Beruf der Krankenpflegerhelferin. Schon dort erlebte sie einen harten Alltag in drei Schichten.

Beim Calando Pflegedienst arbeiten

Nach der Elternzeit suchte Nadine Klug eine neue Herausforderung – und das durchaus aus pragmatischen Gründen. Ihr Partner war ebenfalls im Schichtdienst tätig, mit einem Kind ließ sich dies schwer mit der eigenen Arbeit vereinbaren. Ein typisches Problem einer jungen Familie also. Das regte die heute 22-Jährige dazu an, nach einer anderen Arbeit Ausschau zu halten. In der Nähe ihrer Wohnung entdeckte sie das Büro der Calando Pflegedienst GmbH. Und auf der Webseite fand sie auch passende Stellenangebote: „Ich habe mir den Pflegedienst im Internet angeschaut und fand es klasse, wie die Mitarbeiter dort schwärmten.“ Sie zögerte nicht lange, bewarb sich und nach dem Vorstellunggespräch war klar: Sie bekommt den Job als Pflegekraft.

Seit Dezember 2017 kümmert sich Nadine um die Klienten der Calando Pflegedienst GmbH. Schnell bemerkte sie die Unterschiede zu ihrem alten Beruf: „Ambulante Pflege ist einfach viel persönlicher. Du kannst mehr auf die Menschen einwirken und auf eine ganz andere Art und Weise als im Krankenhausalltag für sie da sein.“ Mit den Patienten reden, ihnen zur Seite stehen, wenn es ihnen mal nicht gut geht, ihnen Kraft schenken – genau das ist es, was Nadine Tag für Tag motiviert: „Das Zwischenmenschliche macht es für mich aus. Und ich freue mich immer wieder zu sehen, dass mir ein solches Vertrauen entgegengebracht wird.

Zeit für die Pflege

Wenn Klienten sehen, dass du kommst – dieses Lächeln ist so unbezahlbar!“ Dass sie wirklich genügend Zeit für jede Person besitzt, die sie auf ihren Touren besucht, weiß sie zu schätzen. Es gibt immer die Möglichkeit für ein Schwätzchen oder Spaziergänge. Natürlich sind da nicht nur die positiven Eindrücke: Im Laufe der letzten Monate stellte Nadine eine Veränderung an sich selbst fest: „Du bekommst eine andere Sichtweise auf die Welt, wenn du manche Geschichten der Patienten hörst. Dann bist du dankbarer für die Gesundheit, für deine und die deiner Familie. Das wird dir erst so richtig bewusst, sobald du mit schwerkranken Menschen zu tun hast.“

Nadine Klug bei der Arbeit. (Foto: Sven Wernicke)
Nadine Klug bei der Arbeit. (Foto: Sven Wernicke)

Eine bessere Arbeit kann sich Nadine aktuell nicht vorstellen. Es ist alles prima und das Drumherum stimmt. Wenn Probleme auftauchen,  kann sie jederzeit mit den Chefs sprechen. Und sie ist unverändert vom Betriebsklima begeistert: „Das Team ist übelst cool. Und wir haben immer viel zu lachen“, schwärmt sie. Auf die Frage, ob das nicht alles übertrieben klingt, hat sie auch eine eindeutige Antwort parat: „Das ist kein Quatsch, was man erzählt, um etwas besser dastehen zu lassen. Das ist wirklich so und ich finde das total toll.

Wie stellt sich Nadine ihre Zukunft vor? Sie möchte bei der Calando Pflegedienst GmbH bleiben und sich vor allem beruflich weiterentwickeln. Sie besucht außerdem so viele Lehrgänge wie möglich. Fortbilden, mehr Wissen rund um die Pflege aneignen und menschlich reifen – das sind ihre Pläne für die nächsten Monate und Jahre. All das wird ihr und den Klienten, die sie pflegt, zugutekommen.

Nadine, vielen Dank dafür, dass du unser Team mit deiner Art, deiner Freundlichkeit und deiner Kompetenz bereicherst!

Ein Tag in der ambulanten Pflege


Ein Tag in der ambulanten Pflege

Erstaunt, überrascht, amüsiert, traurig, nachdenklich, optimistisch. Ein Arbeitstag bei der Calando Pflegedienst GmbH kann auch ein Wechselbad der Gefühle sein.

Seit über drei Jahren fülle ich das Calando Magazin mit Inhalten. Ich stelle Mitarbeiter vor oder berichte über Neuigkeiten, Messeauftritte und die Klienten der Calando Pflegedienst GmbH. Doch wie der Alltag in der ambulanten Pflege aussieht – das konnte ich als Redakteur bisher nur erahnen. Zeit also, einmal die Perspektive zu wechseln. Ich begleitete Pflegekraft Nadine Klug bei ihrer Frühschicht, um mehr über den herausfordernden, aber auch schönen Job herauszufinden.

Es geht los!

Der Wecker klingelt 5:45 Uhr. Eine für mich völlig untypische Zeit, beginne ich in der Regel gegen 8 Uhr mit meiner Arbeit als Journalist und (Berufs-)Blogger. Anziehen, Kaffee trinken, Zähne putzen, ab zum Calando-Hauptquartier. Als ich dort (fast) pünktlich um 6.45 ankomme, treffe ich Nadine. Sie erklärt mir, was mich erwartet.

Mit diesem Wagen geht es auf Tour. (Foto: Sven Wernicke)
Mit diesem Wagen geht es auf Tour. (Foto: Sven Wernicke)

Die erste Überraschung gleich am frühen Morgen: Der Ablauf ist perfekt organisiert. Fahrtzeiten, Dauer des Aufenthalts bei den Klienten, Pausen – alles eingeplant und eingetaktet. Sollte kurzfristig ein anderer Mitarbeiter einspringen müssen, zum Beispiel bei einem Krankheitsfall, erfährt dieser auf dem Tagestourenplan, welche Erledigungen anstehen und was konkret zu tun ist. Die angebenen Zeiten sind tatsächlich angemessen und lassen zu keiner Zeit Hektik aufkommen. Zum Beispiel bei der Fahrt von einem zu einem anderen Klienten. Diese wirklich faire Organisation des Arbeitstages beruhigt mich. Unnötiger Stress wird vermieden, da genügend Zeit für jeden einzelnen Kunden sowie die eigentliche Tour freigehalten wird.

Die Schicksale selbst erleben

Unsere erste Klientin ist Frau Löber, die ich bereits kenne. Ich traf die 96-jährige Dame bereits vor einigen Monaten. Damals verriet sie mir das Geheimnis ihres Alters. Nun will sie von Nadine gewaschen und angezogen werden. Währenddessen gibt es ein kleines Schwätzchen und den einen oder anderen Scherz. Aufschlussreich für mich: Nadine trägt alles in eine Klientenmappe ein, um so Ereignisse und Aktivitäten zu dokumentieren.

Alles wird dokumentiert. (Foto: Sven Wernicke)
Alles wird dokumentiert. (Foto: Sven Wernicke)

Ähnlich verläuft es kurze Zeit später bei Frau Bachmann. Duschen, anziehen und dabei behilflich sein, das Frühstück vorzubereiten. Erstmals merke ich hier, dass uns einfach nicht unendlich viel Zeit zur Verfügung steht. Ich koche Kaffee, Nadine stellt den Toaster an. Viel mehr können wir in den vorgesehenen 23 Minuten gar nicht machen.

Für das Überziehen der Strümpfe von Frau Latzel bleiben uns an diesem Tag acht Minuten. Schlimm finde ich das nicht, denn sie ist sehr rüstig, gut gelaunt und agil. Mehr Hilfe verlangt sie derzeit ohnehin nicht.

Frau Latzel in ihrer Wohnung. (Foto: Sven Wernicke)
Frau Latzel in ihrer Wohnung. (Foto: Sven Wernicke)

Bei Frau Müller* muss ich das erste Mal schlucken. Nadine hilft ihr aus dem Bett und wäscht sie, parallel dazu bereite ich das Frühstück zu. Die sehr ruhige Frau isst ein paar Happen, wir sind schon auf dem Sprung zum nächsten Klienten. Als Nadine meint, wir würden später noch einmal kommen, fragt Frau Müller: „Muss ich bis dahin hier sitzen bleiben?“. Die Antwort „Ja“ trifft auch mich hart. Was soll sie denn bis dahin im Rollstuhl tun? Die andere Seite habe ich aber im Hinterkopf. Es ist die freie Entscheidung von Frau Müller und ihren Angehörigen, im vertrauten Umfeld ihrer Wohnung bleiben zu wollen. Die Aufgabe eines ambulanten Pflegedienstes ist niemals die Rundumversorgung. Natürlich wäre es schöner, ein Betreuer würde zusätzlich die Stunden zwischen Frühstück und Mittag überbrücken. Doch für solche Aspekte müssten neue gesetzliche Regelungen her und zusätzliche Gelder zur Verfügung stehen. Das liegt nicht in der Macht eines einzelnen Unternehmens wie der Calando Pflegedienst GmbH.

Frühstück ist fertig. (Foto: Sven Wernicke)
Frühstück ist fertig. (Foto: Sven Wernicke)

Überall Einsamkeit

Wir fahren zu Herrn Berndt, einem kräftigen Mann mit charismatischen Gesichtszügen und Kuscheltieren auf der Couch. Nadine unterstützt ihn bei den Kompressionsstrümpfen, bei weiteren Pflegemaßnahmen und beim Einnehmen der Medikamente. Es läuft laute Musik, Nadine summt mit, die Sonne strahlt in die Wohnung und Herr Berndt ist zu Späßen aufgelegt. Und doch merke ich auch ihm an, dass er viel zu selten Gesellschaft bekommt.

Herr Berndt und seine Kuscheltiere. (Foto: Sven Wernicke)
Herr Berndt und seine Kuscheltiere. (Foto: Sven Wernicke)

Einsamkeit. Aus der macht Frau Schmiedel, für die wir 15 Minuten einplanen, gar kein Geheimnis. Sie pflegte ihren dementen Mann bis zum Tod, seitdem lebt sie alleine in der viel zu großen, finsteren Wohnung. Sie selbst war der Auffassung, gar keine Pflege oder Hilfe im Haushalt zu benötigen. Doch ihr weit entfernt lebender Sohn wünscht sich, dass regelmäßig jemand vorbeischaut. Sie redet wie ein Wasserfall über ihre Sorgen, Ängste und Probleme. Und ich frage mich, was man wohl tun könnte, um ihr das zu geben, was sie wirklich braucht: soziale Kontakte und wieder mehr Lebensfreude.

Medikamente. Solche Boxen stehen bei jedem Klienten. (Foto: Sven Wernicke)

Lebensfreude ist auch das, was Herrn Bratschke fehlt. Durch einen Schicksalsschlag und den Tod seiner Frau sitzt der 64-Jährige nun im Rollstuhl. Sein Alltag spielt sich in einer kleinen Einraumwohnung ab. Fürs Briefe öffnen und Aufräumen fehlt ihm wahrscheinlich die Kraft. Nadine ist jedoch positiv überrascht, denn Herr Bratschke ist für seine Verhältnisse gut gelaunt und hat auch den einen oder anderen lockeren Spruch auf Lager. Sein Humor macht mir die Hoffnung, dass es ihm bald besser geht.

Frühstückspause

Nach zweieinhalb Stunden Arbeit wartet die 30-minütige Frühstückspause auf uns. Bis jetzt besuchten wir also sieben Klienten mit ihren zum Teil völlig unterschiedlichen Geschichten, Krankheiten und Lebenssituationen. Mich freut es, dass noch längst nicht alle Menschen im hohen Alter ihren Lebenswillen verloren haben. Zugleich schockiert es mich zu erkennen, dass das Alleinsein oftmals ausschließlich durch Pflegekräfte unterbrochen wird, die sich nur um das Nötigste kümmern können. Aber ohne Frage das Beste geben!

Einsamkeit. (Foto: Sven Wernicke)
Einsamkeit. (Foto: Sven Wernicke)

Ich bin ernüchtert. Ich sehe Schicksale und Menschen, denen es sichtlich an dem Zwischenmenschlichen fehlt. Kann es so schwer sein, etwas zu verändern, die Lebensqualität zu erhöhen, die Pflege zu verbessern? Und Fälle wie die von Herr Bratschke zeigen: Jeder kann aus dem Leben gerissen und zu einem Pflegefall werden. Beängstigend. Als ich mit Nadine darüber rede, meint sie: „Wir können so froh sein, dass es uns und unseren Familien gut geht und wir gesund sind.“ Recht hat sie.

Klar: Als Pflegedienst können Mitarbeiter nur in den Rahmen ihrer Möglichkeiten agieren. Auch hier wird mir bewusst, dass die Calando Pflegedienst GmbH tatsächlich bemüht ist, es besser als andere zu machen. Und sei es die angenehme, gut durchdachte Tourenplanung.

Sich Zeit nehmen

Der zweite Teil des Arbeitstages gestaltet sich ganz anders. Am Mittag sitzen wir gemeinsam mit Frau Löber auf ihrem Balkon, genießen einen der letzten Sommertage dieses Jahres bei einem angenehmen Plausch über ihre Vergangenheit. Das ist im Rahmen der Verhinderungspflege nämlich möglich.

Bei Frau Müller* koche ich das Mittagessen, Nadine hängt zuvor gewaschene Wäsche auf. Wir leisten ihr etwas Gesellschaft. Immerhin 45 Minuten. Bevor wir ihre Wohnung verlassen, wird sie auf ihren Wunsch hin kurz nach 12 Uhr mittags wieder ins Bett gelegt. Sie winkt uns zum Abschied zu. Das ist hart, denn bei ihr vernehme ich die schwindende Lust am Leben. So traurig.

Frau Hartwig ist dement, aber zufrieden. (Foto: Sven Wernicke)
Frau Hartwig ist dement, aber zufrieden. (Foto: Sven Wernicke)

Unsere letzte Klientin an diesem Tag ist Frau Hartwig. Eine wunderbare Frau, 89 Jahre alt, überaus gepflegtes Erscheinungsbild, mit einem dezenten bayerischen Dialekt und…leicht dement. Aber das lässt sie sich kaum anmerken, sie freut sich über das Wetter und vor allem über uns. Wir reden über ihre bereits verstorbenen Geschwister, über ihre geliebte Enkelin und die Familie, für die sie erst vor sechs Jahren nach Dresden zog. Eine Krankheit wie Alzheimer kann nicht vermieden werden, doch Menschen wie ihr kann man einen schönen Lebensabend bescheren. Dazu gehören eine professionelle Pflege und Zeit für diese, soziale Kontakte und – im besten Fall – die Angehörigen, die sich auch kümmern.

Ein ereignisreicher Tag

Mein Tag in der ambulanten Pflege war voller Eindrücke. Und es kamen zahllose Fragen auf. Zum Beispiel: Wieso ist die Wertschätzung für diese Arbeit so gering?

Es ist wichtig, pflegebedürftigen und alten Menschen den Respekt entgegenzubringen, den sie verdienen. Damit ist nicht nur Waschen und Medikamente verabreichen gemeint. Wir brauchen mehr Zeit für Zwischenmenschliches und intensivere Beziehungen zueinander. Häufig kamen mit Gedanken in Richtung „Mehr-Generationen-Wohnen“ und „Ersatzfamilien“ für Senioren – aber vielleicht ist das eine naive Träumerei?!

Doch es gibt für mich weitere Erkenntnisse: Die Mitarbeiter bei der Calando Pflegedienst GmbH machen einen großartigen Job. Sie sind trotz einer gut gefüllten Tourenplanung nie in Eile und können in Ruhe auf die Wünsche der Klienten eingehen. Aber auch hier kommt der ambulante Pflegedienst an seine Grenzen, die zweifelsohne von der Politik gesteckt wurden. Es muss sich vieles ändern, damit wir den Hilfsbedürftigen (noch!) mehr Lebensqualität schenken können. Und es müssen Lösungen her, um die enormen Leistungen der Pflegekräfte zu honorieren, sie zu entlasten und auf den unaufhaltsamen, demografischen Wandel vorbereitet zu sein.

Ein großes Dankeschön an Nadine für die Möglichkeit, bei einer Schicht dabei sein zu dürfen. Die Klienten können froh sein, dass es Leute wie dich gibt, die diesen Job mit viel Leidenschaft machen und ihn sichtlich lieben!

*Name auf Wunsch der Angehörigen geändert.